Religiöse Sitten
|
|
Verwandte und Freunde laden sich ein, die Mahlzeit, nach den Fasten iftar, zu teilen. Die Baeckereien (firin) backen genau zur Zeit von iftar pide genanntes Flachbrot, das man ausserhalb von Ramadan selten findet. Um dieses köstliche pide ganz warm zu haben, bilden die Leute vor den Baeckereien lange Schlangen. (Dieses Brot ist ein Genuss, probieren Sie es mit etwas Butter oder Kaese!)
Bayram
Die Kinder des Bezirkes werden wahrscheinlich an ihrer Tür klingeln, um Ihnen ein gutes Fest (iyi bayramlar) zu wünschen. Vergessen Sie nicht, ihnen Bonbons anzubieten. El öpme (die Hand küssen) ist die unentbehrliche Zeremonie des bayram. Generell ist es üblich, sich zum "Patriarchen" der Familie für das Essen zu begeben. Die Kinder küssen die Hand der aelteren Personen und bekommen Süssigkeiten, Geld, manchmal ein Kleidungsstück. Früher schenkte man ihnen ein Taschentuch mit einem Goldstück, das mit der Zeit wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Lage durch das Geld ersetzt wurde. So geht diese alte Tradition leider verloren.
Waehrend kandil werden die Familienaelteren es schaetzen, wenn Sie anrufen und gutes kandil (iyi kandiller) wünschen. Ihre Nachbarn können Ihnen einen Teller helva bringen (mit Griess vorbereitetes Dessert, das allerdings sehr lecker ist). Merken Sie sich, dass man in der Türkei niemals einen Teller oder eine Schale leer zurückgibt. Legen Sie eine ihrer kulinarischen Spezialitaeten darauf, das wird geschaetzt und verspricht, Ihre Beziehungen zu den Nachbarn angenehm zu machen. Ein sicherer Weg, die genauen Kandil-Tage zu erfahren, ist die Simit-Haendler zu beobachten, die spezielle Kandil-Simit (Kringel, kleiner als die üblichen und ohne Sesam) verkaufen. Diese Simit in bunten Paekchen können Sie ebenfalls in Konditoreien und Baeckereien finden.
Mevlit ist eine Gewohnheit der Muslimen Türken. Es handelt sich dabei um ein im 15. Jahrhundert von Süeyman Çelebi geschriebenes Gedicht, dass das Leben des Propheten Mohammeds schildert und lobt. Seitdem begleiten die Gebete und Lobgesaenge die glücklichen oder schmerzhaften Ereignisse des Lebens. Das Gebet spricht man ebenso gut anlaesslich des Jahrestages eines Todes, einer Geburt, einer Beschneidung, eines Kaufes einer neuen Wohnung. Das in der Moschee oder zu Hause in Erinnerung an einen Verstorbenen abgehaltene mevlit ist für die Frauen zu einer sozialen Versammlung geworden.
Wenn es in der Moschee abgehalten wird, verteilt die Familie mit Bonbons gefülte Papiertüten denjenigen, die daran teilgenommen haben. Wenn es zu Hause abgehalten wird, findet daran anschliessend oft ein Empfang von einem unglaublichen Überfluss statt. Wenn Sie zu diesem Gebet (egal ob in der Moschee oder zu Hause) eingeladen sind, vergessen Sie, meine Damen, nicht, ein Seidentuch mitzunehmen. Im Winter denken Sie daran, warme Socken anzuziehen, denn die Moscheen sind eiskalt!


