Religiöse Sitten
Wenn Sie im Ramadan frühmorgens durch den Laerm von Pauken geweckt
werden, sollten Sie nicht erstaunt sein. Dabei geht es um eine sehr alte Tradition,
die heute noch beibehalten ist. Die davul genannte Pauke erfülte zu einer
Zeit, wo es keinen Wecker gab, diese Funktion. Der davulcu, derjenige, der die
Pauke schlaegt, benachrichtigt diejenigen, die waehrend des Ramadan fasten,
dass es die letzte Stunde vor dem Sonnenaufgang sei, wo man noch essen darf.
Vor und nach dem Bayram wird der davulcu an die Tür klingeln, um
nach einem kleinen Trinkgeld zu fragen!!! (Dafür, dass er Sie mitten in
der Nacht geweckt hat… So ein Paradox!)
Verwandte und Freunde laden sich ein, die Mahlzeit, nach den Fasten iftar,
zu teilen. Die Baeckereien (firin) backen genau zur Zeit von iftar
pide genanntes Flachbrot, das man ausserhalb von Ramadan selten findet. Um dieses
köstliche pide ganz warm zu haben, bilden die Leute vor den Baeckereien
lange Schlangen. (Dieses Brot ist ein Genuss, probieren Sie es mit etwas Butter
oder Kaese!)
Bayram
Die Kinder des Bezirkes werden wahrscheinlich an ihrer Tür klingeln, um
Ihnen ein gutes Fest (iyi bayramlar) zu wünschen. Vergessen Sie
nicht, ihnen Bonbons anzubieten. El öpme (die Hand küssen)
ist die unentbehrliche Zeremonie des bayram. Generell ist es üblich,
sich zum "Patriarchen" der Familie für das Essen zu begeben.
Die Kinder küssen die Hand der aelteren Personen und bekommen Süssigkeiten,
Geld, manchmal ein Kleidungsstück. Früher schenkte man ihnen ein Taschentuch
mit einem Goldstück, das mit der Zeit wegen der allgemeinen wirtschaftlichen
Lage durch das Geld ersetzt wurde. So geht diese alte Tradition leider verloren.
Waehrend kandil werden die Familienaelteren es schaetzen, wenn Sie anrufen
und gutes kandil (iyi kandiller) wünschen. Ihre Nachbarn können
Ihnen einen Teller helva bringen (mit Griess vorbereitetes Dessert, das
allerdings sehr lecker ist). Merken Sie sich, dass man in der Türkei niemals
einen Teller oder eine Schale leer zurückgibt. Legen Sie eine ihrer kulinarischen
Spezialitaeten darauf, das wird geschaetzt und verspricht, Ihre Beziehungen
zu den Nachbarn angenehm zu machen. Ein sicherer Weg, die genauen Kandil-Tage
zu erfahren, ist die Simit-Haendler zu beobachten, die spezielle Kandil-Simit
(Kringel, kleiner als die üblichen und ohne Sesam) verkaufen. Diese
Simit in bunten Paekchen können Sie ebenfalls in Konditoreien und Baeckereien
finden.
Mevlit ist eine Gewohnheit der Muslimen Türken. Es handelt sich
dabei um ein im 15. Jahrhundert von Süeyman Çelebi geschriebenes
Gedicht, dass das Leben des Propheten Mohammeds schildert und lobt. Seitdem
begleiten die Gebete und Lobgesaenge die glücklichen oder schmerzhaften
Ereignisse des Lebens. Das Gebet spricht man ebenso gut anlaesslich des Jahrestages
eines Todes, einer Geburt, einer Beschneidung, eines Kaufes einer neuen Wohnung.
Das in der Moschee oder zu Hause in Erinnerung an einen Verstorbenen abgehaltene
mevlit ist für die Frauen zu einer sozialen Versammlung geworden.
Wenn es in der Moschee abgehalten wird, verteilt die Familie mit Bonbons gefülte
Papiertüten denjenigen, die daran teilgenommen haben. Wenn es zu Hause
abgehalten wird, findet daran anschliessend oft ein Empfang von einem unglaublichen
Überfluss statt. Wenn Sie zu diesem Gebet (egal ob in der Moschee oder
zu Hause) eingeladen sind, vergessen Sie, meine Damen, nicht, ein Seidentuch
mitzunehmen. Im Winter denken Sie daran, warme Socken anzuziehen, denn die Moscheen
sind eiskalt!
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