Begraebnisriten
In Istanbul bleibt ein Brauch unveraendert, unabhaengig von der Religion, von der Vielfalt der Zeremonien und Gebete: der Familie des Verstorbenen bringt man Essen, damit sie sich waehrend dieser schmerzerfülten Zeit nicht um die alltaeglichen Verpflichtungen kümmern muss. Es ist ein besonderer Brauch in der Türkei.
Bei den Mohammedanern wird der Verstorbene unverzüglich beerdigt. Am Abend der Beerdigung kommen die Angehörigen, Verwandten, Freunde und Nachbarn zusammen um im Koran zu lesen, zu beten und helva (Süssspeise aus Griess) zu teilen. Helva wird auch an die Nachbarn im Wohnhaus verteilt. Die Zusammenkünfte und Gebete (Mevlit) wiederholen sich am 7, 40. und 52. Tag und am Jahrestag. Es wird entweder in der Moschee oder zu Hause gebetet. Nach dem Gebet verteilt die Familie des Verstorbenen Akide şekeri (Akide Bonbons) oder Lokums in Papiertüten. Beim Nehmen sagt man "Allah kabul etsin" (möge Gott diese verdienstliche Tat akzeptieren). Es abzulehnen waere eine grosse Beleidigung. Die Gebete zu Hause werden nachmittags gehalten, anschliessend essen die Angehörigen und Freunde zusammen.
Bei den Armeniern findet die Beerdigung nicht unmittelbar gleich nach dem Tod statt. Am folgenden Samstag wird unter den Freunden und Nachbarn "giramudk" (aehnlich wie helva) verteilt für den Seelenfrieden des Verstorbenen. Eine Woche lang bringen die Verwandten und Freunde Speisen zur Familie des Verstorbenen, deren Tür offen bleibt. 40 Tage nach dem Tode am Sonntag wird auf dem Friedhof gebetet und den Anwesenden werden "kete" genanntes Brot, Sandwichs, Mandeln und Fruchtsaefte angeboten. Die Trauerzeit betraegt zwischen 40 Tagen und einem Jahr.
Bei den Türkischen-Griechen (rum) wird am 3, 9, 40. Tag und an jedem Jahrestag, koliva, eine Art helva, vorbereitet und unter den Angehörigen und Freunden des Verstorbenen nach dem Gebet auf dem Friedhof verteilt.
Nach jüdischer Tradition bringen ebenfalls die Nachbarn Speisen zur Familie
des Verstorbenen.
Nach der Beerdigung werden Getraenke (inkl. alkoholische) und ein Imbiss (Kaese,
Oliven, gekochtes Ei und Brot) aufgestellt und jeder bedient sich. In Ýstanbul
wird meistens raki getrunken.
Bei den weniger religiösen jüdischen Familien betet man 8 Tage lang
abends. Alle Spiegel und Fotos im Haus werden mit Schleiern verdeckt. Damit
gebetet werden kann, müssen 10 Maenner anwesend sein. Nach dem Gebet werden
Kaffee und Weintrauben angeboten. Gebetet wird jeden Monat nach dem Tode, dann
einmal am Jahrestag.
Bei den besonders frommen wird eine Woche lang auf dem Boden gesessen, die Maenner rasieren und kaemmen sich nicht und gehen nicht arbeiten. Nach 8 Tagen bringt ein Freund des Verstorbenen die Maenner zum Hamam (türkisches Bad).

