Islam in der Türkei
Wir sind sicher, dass Sie überrascht sein werden, den
Gebetsruf, ezan, fünf Mal taeglich zu hören. Das wird in Ihren Ohren, die
an die Kirchenglocken gewöhnt sind, seltsam klingen.
Seit der Gründung der Republik im Jahre 1923 ist die Türkei ein
sekularisiertes Land. Dabei sind 99% der türkischen Bevölkerung Muslim. Ein
Grossteil der Muslime ist Sunnit (sünni), etwa 20% Alauit (alevi). Im Osten und
Südosten des Landes befindet sich eine schiitische Minderheit. Den nicht
Muslimen ist das Recht der Glaubensfreiheit anerkannt, wie die zahlreichen
Kirchen und Synagogen beweisen.
Die Umwandlung begann mit der Abschaffung des Kalifats im Maerz 1924. Dieser
folgte die Sekularisierung und die anderen Reformen wie Kleiderreform,
Abschaffung religiöser Sekten, Anerkennung des westlichen Kalenders (demzufolge
ist der offizielle Feiertag nicht mehr Freitag, sondern Samstag und Sonntag)
und 1937 eine sekularisierte Verfassung. In der Türkei werden alle religiösen
Belange durch eine zentrale Regierungsorganisation, naemlich das Praesidium für
Religiöse Angelegenheiten (Diyanet Ýþleri Baþkanlýðý), geregelt, die dem
Premierminister unterstellt ist.
Es besteht Religionsfreiheit für die Gemeinden der Orthodoxen, Armenier,
Katholiken, Protestanten und Juden. Die Türken sind den anderen religiösen
Glauben gegenüber durchaus tolerant und haben, verglichen mit anderen
islamischen Kulturen, eine gemaessigte Art, die Religion auszuüben. Eine
unoffizielle Bemerkung unsererseits: Ein Grossteil der Muslime geniesst
weltliche Vergnügungen wie Tabak und Alkohol, worauf sie waehrend religiöser
Perioden wie Ramadan oder Kandil aus Respekt verzichten. Waehrend
des Fastenmonats Ramadan wird ein guter Muslim tagsüber nichts zu sich nehmen,
nicht einmal eine Briefmarke ablecken. Manche kleinere Restaurants und
Nachtklubs sind waehrend des Ramadan geschlossen.
Die sogenannten fuenf Saulen des Islam
1-Das Glaubensbekenntnis: Es gibt nur einen Gott, Allah, und Mohammed ist
sein Prophet (Kelime-i þahadet).
2-Fünf mal am Tag beten (Namaz) und vor dem Gebet die rituelle
Waschung vornehmen.
3-Fasten waehrend des Ramadan (Oruç).
4-Den Armen Zakat (Fitre - Zekat) geben.
5-Einmal im Leben die Wallfahrt nach Mekka vornehmen (Hac).
Islam bedeutet: Ergebung in Gott, Hinwendung zu Gott, Friedenmachen
Koran: Lektüre
Moslem: wer sich Gott anvertraut
Þeker Bayramý (Zuckerfest) dauert drei Tage. Es ist das Fest, das den
Monat Ramadan abschliesst. Kurban Bayramý (Opferfest) gedenkt der
Aufopferung von Abraham und dauert vier Tage. Am Ende dessen findet die
Wallfahrt nach Mekka (Hac) statt. Am ersten Tag der religiösen Feste
sind die Geschaefte geschlossen. Die öffentlichen Versorgungsbetriebe sind
waehrend der religiösen Feste geschlossen. Kandils des Mondkalenders sind
heilige Tage, aber keine religiösen Feiertage. Die religiösen Feste sind nicht
nur kulturelle und geistige Zelebrationen, sondern auch eine gute Gelegenheit
zu einer Ferienwoche d.h. drei bis vier Tage verlaengertes Wochenende, um der
Hektik der Stadt zu entfliehen. In diesem Zusammenhang werden Sie Tipps in
unserer Site und bei den Kleinanzeigen der Reiseveranstalter in den Zeitungen
finden. Sunnitischer Glauben: Die Grundlage des Islam bilden der Koran, das
heilige Wort, das durch den Erzengel Gabriel den Propheten übertragen wurde und
Hadis, die Aussprüche des Propheten. Der Islam ist eine monotheistische
Religion. Es gibt keine Ursünde. Das Schicksal von jedem einzelnen ist
vorbestimmt. Die Sünden werden früher oder spaeter immer vergeben. Die Juden
und Christen, die ja «Völker des Buches» sind, werden nicht als unglaeubig
betrachtet (im Gegensatz zu den Atheisten und Götzendienern) und sind die Gnade
Gottes ebenfalls Wert, obwohl sie die heiligen Schriften «verdrehten».
In der Moschee beten die Maenner und Frauen separat. Das Freitagsgebet ist für Frauen kein Pflicht. Die Gebete werden in arabischer Sprache abgehalten, wobei seit einiger Zeit diskutiert wird, ob es nicht richtiger waere, sie doch in türkischer Sprache abzuhalten. Die Religion
verbietet den Verbrauch von alkoholischen Getraenken, was in der laizistischen
türkischen Republik keinen offiziellen Charakter hat. Die streng religiösen
Leute trinken keinen Alkohol, und gewisse Haendler verkaufen ihn auch nicht.
Die Beharrlichkeit des religiösen Gefühles ist eine Realitaet und der
Gebetsruf ertönt weiterhin fünf Mal am Tag. Obwohl das Tragen des Schleiers in den
Schulen verboten ist, tragen manche Studentinnen Perücken, um das Verbot zu
umgehen und den islamischen Gesetzen zu folgen. Infolge der integralistischen
Bewegung der letzten Jahre hat das Tragen des Schleiers zugenommen.
Glaube der Alauiten: Die Alauiten sind die Erben von Ali, dem Schwiegersohn
des Propheten. Anders als die iranischen Schiiten haben die Alauiten eine eher
esoterische Liturgie, die Spuren des Schamanismus der früheren asiatischen und
anatolischen Kulturen hat. Sie beten nicht wie die anderen Moslem in Arabisch
sondern in Türkisch und gehen nicht in die Moschee (Ali war in der Moschee
ermordert worden). Sie versammeln sich in spirituellen Gemeinden (Cem Evi),
wo Maenner und Frauen zusammen beten. Sie weigern sich nicht, Wein zu trinken,
der einen religiösen Wert hat. Sie fasten nicht waehrend des Ramadan, sondern
an acht Tagen im Monat Muharrem. Der Nevruz (21. Maerz), Frühlingsfest,
ist eines der wichtigsten Feste der Alauiten. Treu dem Laizitaetsprinzip hatten
die Alauiten immer einwandfreie Beziehungen zu dem republikanischen Staat.
Trotz eines gewissen Misstrauens zwischen den sunnitischen und alauiten
Gemeinschaften sorgen die letzteren für religiöses Gleichgewicht und zügeln den
fundamentalistischen Aufstieg.
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