Segelbericht -Portugal/Spanien
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Unsere Mitglieder Brigitte und Heinz Schürmann unternahmen eine Segelreise
nach Portugal und Spanien. Sie haben ihre Reise, Erlebnisse und Eindrücke an
"mymerhaba" geschickt... Wir bedanken uns herzlichst dafür...
Berichte und Eindrücke unserer Reise nach Portugal
und Spanien
Von Brigitte-Heinz Schürmann
Ein lang gehegter Wunsch ist es eine Weltreise zu machen, Land und Leute kennen
zu lernen und das Leben geniessen. Unbeschwert durch die Welt zu fahren, dabei
sich keinen Zwang auf zu erlegen. Barfuss durch den Sand laufen, schwimmen im
Meer, sonnen am Strand. Alles was die Werbung in ihrer Reklame verspricht erleben.
Wie viele Bücher haben wir gelesen und davon getraeumt, aehnliches zu machen.
Ob mit dem Fahrrad, Auto, Flugzeug oder aber mit dem Segelschiff die Weltmeere
zu durchqueren. Immer hat man in den Büchern und Fernsehberichten sich selbst
darin gesehen und gehofft etwas zu verwirklichen.
Jetzt wo man als Rentner die Möglichkeit hat, kommen schon mal Rückschlaege.
Aber nun wollen wir es versuchen unsere lang gehegten Traeume Wirklichkeit
werden zu lassen. Wir haben uns vorgenommen ins Mittelmeer zu segeln, die Laender
Frankreich, Portugal auf unserem Törn sollen uns ein bisschen auf das Leben
als Robinson Crusoe oder Chitchester einstimmen.
Etwas Zigeunerleben und dem lieben Gott einen guten Tag sein lassen. Lecker
Essen und Trinken den Tag geniessen und segeln wohin uns der Wind treibt.
Unser Segelschiff hatte nun fast zwei Jahre auf dem Bock gestanden und so mache
Reparatur ist angefallen. Das Unterwasserschiff wurde gründlich überholt, den
Rumpf poliert, am Heck wurde eine Plattform montiert mit einer schönen Badeleiter,
für Sonnen und Badetage. Ein Windgenerator für den Stromhaushalt eine Solarpaneele
noch zusaetzlich wenn der Wind mal ausfaellt. Einige Teile wurden durch neue
ersetzt, wie Leinen, Lazyback, und für den Motor Oelfilter, Impeller. Alles
zusammen war es viel Arbeit und viel Vorbereitung.
Der Abfahrtermine wurden immer wieder verschoben, doch am 1. Juni war es soweit.
Renate und Rüdiger brachten uns nach Belgien. Klaus, ein frührer Arbeitskollege,
Segler und schon des öfteren unser Begleiter auf laengeren Segeltörns, kam Sonntag
an Bord.
Am Montag wurde der Motor von Marcel kontrolliert und für gut befunden. Filter
und Keilriemen erneuert. Die Antenne überprüft und den defekten Kühlschrank
instand gesetzt.
Arbeit bis zur letzten Stunde, aber glücklich nun starten zu können.
Der Wetterbericht war positiv, die Crew bereit, so starteten wir am Dienstag,
um 9:30 h. Noch war es diesig, aber der Tag wurde sehr schön. Obwohl wir sehr
viel unter Motor gelaufen sind entschliessen wir uns gleich eine Nacht durch
zu segeln, oder mit dem Motor zu fahren.
Cherbourg in Frankreich hatten wir angesteuert und nach 35 Stunden auch
erreicht. Ein missglücktes Anlegemanöver ist die einzige Erinnerung. Doch ab
sofort sind wir nun eine eingespielte Crew.
Donnerstag, den 5.06 starteten wir nach Guernsey, eine der Kanal- Insel
vor der französisch Küste. Mittags legten wir bei schönem Wetter ab. Am Cap
de la Haugue fuhren wir in die Overfouls und wurden ganz schön durch geschüttelt.
Das Schiff fuhr nicht mehr, sondern wurde von der Unterwasserströmungen durchgeschüttelt
und mit 12 Kn gezogen. Danach ging es an Alderney vorbei, nach St Peter Port
auf Guernsey.
Hier trafen wir die ersten Langzeitsegler die in die Karibik wollten.
Freitag, den 6.06 wurde für gute Leistung zum Mittagessen ein Hummer serviert,
mit Baguette und weissen trockenem Wein.
Bis Guernsey hatten wir alle Haefen schon einmal angelaufen und daher war es
relativ einfach für uns. Samstag, den 7.06. entschliessen wir uns um 13:00 Uhr
nach L`Aber wrac`h starten. Es sind zu viele Meilen für einen Tagestörn,
und eine Nachtanfahrt wollten wir vermeiden.
Der wenige Wind kam uns sehr entgegen. Wir, seit zwei Jahren nicht mehr gesegelt,
empfanden es als sehr angenehm.
Doch in der Nacht kam der Wind und es wurden die Segel gesetzt. Zu allem Überfluss
kam der Wind in den Morgenstunden kraeftiger. Es wurde Ruck Zuck gerefft und
so standen wir schon in den frühen Morgenstunden vor der Passage zum angesteuerten
Hafen.
L`Aber wrac`h Hafen liegt in einem Gewirr von Felsen die aus dem Wasser
ragen oder kurz unter der Wasseroberflaeche liegen, dazu das Grau des Morgens.
Furchterregend!!
Dieser Hafen sollte nicht in der Nacht angefahren werden.
Um 8:15 machten wir an eine Murring fest. Der kraeftige Wind blies den ganzen
Tag, doch wir verbrachten einen Tag mit viel Schlaf an Bord und kamen noch nicht
einmal an Land.
Am anderen Tag verlegten wir an einem Ponton, mit Strom und Wasser.
Jetzt begannen die Vorbereitungen zur Fahrt durch die Biscaya. Proviant
wurde gebunkert und zum Abschied gab es noch einmal ein Restaurationsbuch mit
einem vorzüglichem Essen. Etwas unwohl war es uns schon, so eine Querung der
Biscaya birgt doch so viele Gefahren und nicht kalkulierte Risiken.
Am Mittwoch starteten wir um 13:00 Uhr Richtung Spanien, mit der Möglichkeit
noch nach Brest abzulaufen.
Bei wenig Wind zog uns der Strom in den Atlantik zur Insel Ushant, oder auch
Ille D Quessant genannt.
Zwischen der Insel und den Felsen des Festlandes, die ca. 10 Meilen vom Festland
ins Meer hinein ragen, liefen wir durch eine Passage die das Schiff ganz schön
durch schüttelte. Es brodelte das Wasser, die Wellen kamen von allen Seiten,
das Schiff stampfte und rappelte. Wir waren nicht mehr Herr über die Fahrtrichtung,
wir wurden förmlich durch die Passage gezogen und geschüttelt. Ein zurück gab
es nicht mehr. Wellen kamen über, so schön ist Segeln also nicht!
Aber langsam am Horizont sahen wir das sich das Wasser beruhigte und alle atmeten
auf als wir die Biskaya erreicht hatten. Wir hatten den Schiffsfriedhof hinter
uns gelassen. Hier sind im Laufe der Jahre einige hundert Schiffe gestrandet
oder aus einander gebrochen.
Wir waren nun ganz allein, kein Boot begleitete uns oder hatte die gleiche Richtung.
Die mit uns ausgelaufenen Schiffe sind alle Richtung Brest oder Camere` gesegelt.
Riesige Wellen der Biskaya sollten uns die ganze Zeit begleitet.
Erst ging es unter Motor weiter und so war die erste Nacht ist sehr angenehm.
Eine ausgeschlafene Crew ist immer gefeit für andere Überraschungen.
Am Donnerstag Abend ging endlich der Motor aus. Wir hatten schon die Befürchtung,
der Diesel würde nicht reichen.
Doch dann kam der Wind mit 6 / 7 Bf. aus Nord und verlangte von uns sehr grosse
Aufmerksamkeit. Die Selbststeueranlage wurde ausgeschaltet und wir steuerten
das Schiff mit der Hand. Die Wellen rollten von achtern mit einer Höhe von 6-7
Metern, wir machten dabei eine schnelle Fahrt. Die Logge zeigte ab und an 10-
12 Kn, doch nicht mehr unter 8 Kn.
In der Nacht und am Tag begleiteten uns grosse Fische. Sie tauchten unter das
Boot oder sprangen etwa ein Meter aus dem Wasser. Es waren Tümmler oder Tunfische.
In der Nacht konnten wir abwechselnd schlafen und waren froh als es wieder hell
wurde.
Als die Situation des Starkwindes vorbei war, fuhren wir in einem Gewitter hinein.
Ein Krachen und Blitzen über uns liess uns schon ganz schön nervös werden.
Ca 60 Meilen vor Spanien kam noch einmal kraeftig Wind. Aber wir meistern auch
dieses mit Bravur. Klaus unser Mitsegler verweigerte am letzten Tag Essen und
Trinken. Denn ein Toilettengang ist ein Unterfangen und gleicht einer Zirkusnummer
eines Artisten. Man muss sich wie ein Affe durchs Schiff hangeln, jeder Gang
nach unten ins Schiff ist wie ein Seiltanz, der oft mit blauen Flecken enden
kann.
Auf grosser Fahrt über den Atlantik ist schon so mancher mit Knochenbrüchen
oder Verrenkungen und ausgekugelten Armen angekommen.
La Coruna liefen wir in der Nacht an. Ein Quermarkenfeuer ein Sektorenlicht
so wie ein Ober und Unterfeuer führten uns sicher in den Hafen. Wir bekamen
einen Liegeplatz mit Murringleine zugewiesen. Wir waren froh und glücklich die
Querung der Biskaya gut überstanden und wieder festen Boden unter den Füssen
zu haben.
Ein schnelles Ablaufen und ein schneller Hafenanlauf in der Biskaya gibt es
bei der Überfahrt nicht, man ist schon ganz schön alleine und der naechste Hafen
ist immer 30 Std. entfernt. Wie muss es erst bei einer Atlantic Überquerung
sein?
Von La Caruna wurden die Etappen auf Tagesfahrten begrenzt. Hinter dem Kap Finesterre
sollte uns ein staendiger Nord-Wind nach Süden schieben, aber wir erlebten ihn
kaum. Immer wehte uns der Wind entgegen. Schöne Haefen, dazu gemütliche Dörfer
oder Staedte segelten wir nun an, hier verweilten wir mindestens zwei bis drei
Tage.
In Povoa de Varzim blieben wir dann auch eine Woche. Wir mieteten uns
ein Auto und fuhren probehalber zum Flughafen und dann weiter nach Porto.
Porto die zweit grösste Stadt und Namensgeber Portugals hat viele Sehenswürdigkeiten
und hier wird der berühmte Portwein verköstigt. Wir besuchten natürlich eine
Destille. Wir bekamen von Klaus eine schöne alte Flasche Portwein geschenkt.
Etwas für besondere Stunden und als schönen Dank für unsere schönen Stunden
und Tage.
Klaus verabschiedet sich am naechsten Tag. Er war nun vier Wochen mit uns zusammen
und nun hatte er ein bisschen Heimweh nach Frau und Kinder. Wir aber vermissten
einen guten Freund. Es war auf einmal zu ruhig geworden.
Seit einigen Tagen hatte ich Zahnschmerzen, aber ich konnte mich nicht dazu
entschliessen einen Zahnarzt auf zu suchen.
In Leixeus gehe ich und wurde mit Tabletten versorgt mit der Auflage
in den naechsten Tagen den Nerv am Zahn töten zulassen. In Nazare wurde
die Behandlung durchgeführt.
Das Wetter hat hier eine Eigenart, morgens erwacht man im Nebel oder diesigem
Wetter. Mittags wird es klar und heiss dabei weht oft ein leichter Wind aus
Nord oder Süd, so dass man es gut ertragen konnte. Die Leute in Portugal sind
sehr freundlich und helfen gerne. Sprachlich kamen wir sehr gut mit Englisch
zurecht, aber die Landessprache selbst zu lesen oder gar auszusprechen, hatten
wir noch Schwierigkeiten.
Bis jetzt hatten wir sehr schöne Haefen mit klangvollem Namen.
In Spanien la Coruna, Ria de Camarinas, Riveira, Vigo, in Portugal: Viano do
Castelo, Pavoa de Vazim, Leixoes, Figuera de Foz, Nazare, Peniche und das Alkantara
Doc in Lissabon.
Der letzte Hafen vor Lissabon Peniche ist nicht zu empfehlen, hier verbrachten
wir eine unruhige Nacht. Der Fischereihafen ist sehr Aktiv und der Schwell der
Boote kam immer in den Yachthafen. Geschlafen haben wir im Salon, da die Wellen
immer unter das Achterschiff krachten und das Schiff die ganze Nacht schaukelte.
Morgens um 7 haben wir die Leinen gelöst und sind nach Lissabon gestartet.
Der anfaenglich leichte Wind versprach eine schöne Fahrt zu werden, aber nach
kurzer Zeit war vom Wind nichts mehr zu spüren. Also Motoren wir mal wieder
bis zum Kap Cap da Roca. Eine leichte Brise und Motor aus, so schön kann Segeln
sein. Eine Überlegung das Grosssegel zusetzen bis Lissabon hat sich schnell
erübrigt, denn wir fuhren nur mit der Genua unsere Rumpfgeschwindigkeit. Dem
Ziel entgegen sehend, bei Sonnenschein wollten wir nun auch noch die letzen
Seemeilen absitzen. Doch der Wind nahm stetig zu und die Wellen wurden immer
höher. Erst waren es noch gemütliche 18-24 Knoten Wind, doch der Effekt des
Kaps den hatten wir unterschaetzt. Es wurde schnell auch 30-36 Knoten Wind und
wir entschlossen uns die Rollfock zu verkleinern. Wir segelten nun etwa 10 Konten
und mehr. Aber es wurde noch heftiger!
Die Windgeschwindigkeit nahm weiter zu. Die Windanzeige kletterte auf 47 Knoten
Wind dazu muss man bei achterlichen Winden die Geschwindigkeit des Bootes hinzu
zaehlen und dann kommt man locker auf 55 Knoten Wind, 100 Km Windgeschwindigkeit.
Das Speedometer kam nun am Anschlag nicht mehr weiter und das manchmal Minuten
lang.
Nach 1,5 Stunden war der Spuk vorbei und wir segelten gemütlich weiter in Richtung
Lissabon. Hier machten wir im Altantara Dock fest. Ein Liegeplatz fast im Zentrum.
Für uns war Lissabon etwas enttaeuschend. Es fehlte Farbe an allen Ecken...
Nach fünf Tagen Stadtrundfahrten und etlichen Besichtigungen, lösten wir die
Leinen um unser Ziel Algarve zu erreichen. Wieder musste der Motor rann, denn
der stetige Nord-Wind blies nicht mehr.
Setubal die dritt grösste Stadt in Portugal ist unser Ziel. Auch hier
verbrachten wir drei schöne Tage. Abends gingen wir ins Internet-Cafe und immer
wieder machten wir einen Besuch in einer dieser schönen Tapas - Bars.
Naechster Hafen Sinnes.
Nun wollten wir schnell in die Algarve und so starteten wir mit dem ersten Licht
im Morgen - grau, um die letzte Etappe nach Süden. Der am Vortag schöne Nord
Wind ist mal wieder eingeschlafen, aber wir lösen um viertel nach sechs die
Leinen und erlebten einen schönen Sonnenaufgang.
Brigitte hatte Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und ein Brechgefühl. Diese Situation
ist etwas neues, denn das kennen wir noch nicht, wenigstens bei Brigitte!!!
Die letzte Etappe Richtung Süden entwickelte sich sehr gut. Nach etwa 3 Stunden
ging der Motor aus und der leichte Wind schob uns zur südlichen - westlichen
Spitze Europas.
Vorsicht am Kap!
Wir rundeten das Cabo de Vicente unter Motor, denn der Wind war fast eingeschlafen.
Hier auf der südwestlichen Spitze von Europa, dem Ausgang des Mittelmeeres und
Atlantik, steht die Nautikschule, erbaut von Heinrich dem Seefahren.
Nun sagt der Nautikführer, ab hier wird man ein anderes schöneres Segeln erleben.
Leichte ablandige Winde versprechen, bei wenig Wellengang, ein wahres Segelvergnügen.
Schöne Aussichten für die naechste Segelzeit.
Nach etwa drei Meilen erfrischte uns ein leichter, ablandiger Damenwind und
die Überlegung wird laut, dass bis dahin noch nicht gesetzte Grosssegel zu setzten.
Ein leichter Protest bei der Crew und die Bequemlichkeit vom Skipper, verwerfen
diesen Gedanken. Zehn Minuten spaeter pfiff es leicht in den Wanten und wir
erhofften uns noch einmal eine kleine Rauschefahrt bis um die Ecke. Der Wind
nahm mal wieder stetig zu und die versprochene flache See war ein brodelnder
Wasserkessel.
Die von uns vorgenommene erste Ankernacht, in der Bucht von Sarges, wurde somit
sofort gestrichen. Das noch zehn Meilen entfernte Lagos war nun unser Ziel.
Die Wellen nicht sehr hoch, dafür kurz und sehr unangenehm. Von der Seite rollten
sie nun über das Boot. Es war nicht das Vergnügen wie im Prospekt beschrieben.
Hier kamen uns das Erstemal auf dieser Reise die Wellen über Bord bis ins Cockpit.
Wir hatten eine pitsch nasse Hose, aber nicht vor Freude..
In Lagos verbrachten wir drei schöne Tage. Die Stadt erweist sich als
englische Touristenstadt, aber sehr gemütlich. Bizarre Felsen vor der Steilküste
ragen aus dem dunkelblauem Wasser und dazu ein weisser feinkörniger Sandstrand
in abgeschlossenen Badebuchten sind für den Tourismus die Quellen der Bilderbuchseiten.
Der kühle Wind laesst die Hitze ertragbarer erscheinen. Leider ist das Wasser
sehr, sehr kalt, so dass ein laengeres Baden und Schwimmen nicht möglich ist.
Der Hafen ist Anlauf und Absprung über oder vom Atlantik, somit treffen sich
sehr viele Yachten die von überall herkommen. Kanadier, Amerikaner Australier
Neuseelaender und alle Europaeischen Staaten sind hier vertreten.
Der seichte Wind aus dem Katalog war noch nicht eingetreten, aber wir Starten
zum naechsten Hafen ca. 10 Sm weiter nach Portimao.
Die ersten zwei Naechte verbrachten wir im Hafen, doch dann entschlossen wir
uns das Erstemal auf dieser Reise in der Bucht am Hafen zu ankern. Wir konnten
kaum schlafen, denn der Anker könnte rutschen oder sonst etwas ungewöhnliches
geschehen. Nach der ersten Nacht sehen wir alles ist machbar. Also wurde noch
einmal geankert und damit den Schnitt der Hafengebühr reduziert.
Der nächste Hafen ist Vilamoura. Eine neue Stadt nur für den Tourismus
gebaut, mit vielen Hotels, Ferienwohnungen Geschaeften, Discos rund um den Hafen.
Das ganze Leben findet am Hafen statt. Dazu die Mentalitaet der Südlaender und
Urlauber, Schlafen am Tag und feiern bis in der Morgenfrühe, machen die Nacht
zum Tag.
Hier erwischten wir den letzten Liegeplatz für nur einen Tag, lockere 42, -
Euro. So waren wir nicht böse den Hafen nach einem Tag zu verlassen, denn ein
laengerer Aufenthalt würde die Bordkasse sprengen und der abendliche Kneipen
und Restaurantbesuch müsste gestrichen werden.
Wir verlegten unser Schiff nach Faro, in einem Fluss, in der Naehe vom
Flugplatz.
Der Führer beschreibt die störenden Fluggeraeusche, doch wir konnten über den
Fluglaerm nicht klagen, es waren zu unserer Zeit wenige Starts und Landungen.
Der Fluss ist sehr eng und nicht sehr tief bei Niedrigwasser. Wir aber fanden
bei viel Wind einen schönen, ruhigen Ankerplatz. Hier verbrachten wir schöne
Tage und konnten somit unsere Bordkasse, im Bezug auf Hafengeld, reduzieren.
Mit dem Beiboot fuhren wir jeden Tag in die Stadt, taetigten unsere Einkaeufe
und genossen den hier nicht so hektischen Tourismus.
Aber nach vier Tagen benötigten wir langsam wieder Strom und Wasser. Brigitte
hatte auch den Wunsch einmal ohne die naechtlichen Ankerkontrollen zu schlafen.
Denn das Boot hatte in dieser ganzen Zeit doch einen erheblichen Versatz gehabt.
Als wir den Anker oben hatten wird auch die Begründung gefunden. Mit dem Anker
kamen Amphoren zusammen gebunden mit einer Leine nach oben. Leider keine Altertümer.
Solche Amphoren werden von den Fischern als Höhlen für Tintenfische ausgelegt.
Diese waren dem Fischer wohl abhanden gekommen und dienten uns als Anker.
Der Anker lag also nur auf dem Grund und nicht im Grund! Glück gehabt, wir haetten
bei staerken Winden auch auf Land treiben können. Hier fehlt uns noch etwas
Routine. Brigitte hatte mit Ihrer staendigen Kontrolle zu recht ihre Skepsis
begründet.
Die naechsten Haefen liegen im Fluss Rio Guadiana und hier ist die Grenze zwischen
Portugal und Spanien. Da in Spanien die Liegeplaetze im Süden in der Regel preisgünstiger
sind, entschliessen wir uns für Spanien.
In Ayamote aber fanden wir keinen Liegeplatz oder wir haetten wieder
im Fluss ankern müssen. So entschlossen wir uns noch einmal 10 Sm weiter zu
fahren nach Isla Cristina. Hier bekamen wir dann den erhofften ruhigen Liegeplatz
im Hafen. Das Schiff wurde erst einmal aufgeklart. Bootspflege, Tanken, Batterieladung
dazu abendliche Spaziergaenge und natürlich den obligatorischen Kneipengang.
Puerto Deportivo de Mazagon war unser naechster Hafen. Seit einigen
Tagen war die Hitze enorm. Wie wir in den Nachrichten hörten leidet Deutschland
auch unter dieser grossen Hitze. In Mazagon trafen wir Jan aus Nieuwpoort, Boot
Challenger. Wir hatten nicht erwartet Bekannte aus Nieuwpoort hier zu treffen.
Wir wurden zu Hause zum Essen eingeladen und trafen hier noch Johann und Poulet,
unseren alten Stegnachbarn aus Nieuwpoort. Es ist müssig zu erwaehnen, es war
ein schöner Abend und Morgen, mit einigen Neuigkeiten.
Fritz den wir schon bei einem Überführungstörn im Hafen von Camarinas getroffen
hatten, war mit seiner Frau Brigitte auch schon hier zu Besuch. Ein anderer
Segler aus Belgien. hat hier sein Boot liegen und ist zwischenzeitlich verstorben
Ja, ja, die Welt ist klein und grausam...
Jan, Poulet, Johann, Vinzent und Ehefrau von Jan wollten eigentlich den naechsten
Morgen segeln, doch dieses wurde um einen Tag verschoben.
Wir blieben noch einige Tage in Mazagon und lernten Dieter und Carla kennen.
Es wurden natürlich Erfahrungen ausgetauscht.
Dann ging es weiter nach Cipiona und Rota.
Nun merkte man die Auslaeäufer des Levante. Es wehte immer eine leichte Briese
aus Ost. Doch laengst war unsere Tatkraft erloschen und Aktivitaeten wurden
nun in den Morgenstunden oder am Abend verlegt. Das Leben erlahmte in der Mittagszeit
und wir staunten wie viele Menschen noch am Strand lagen und den Körper der
Sonne aussetzten. Laengst hatten wir kein Datum in unserem Kalender und auch
die Uhrzeit ist nicht mehr ganz so wichtig. Wir liessen die Seele baumeln.
Samstag machten wir die Leinen los um nach Gibraltar zu segeln. Vorbei an den
legenderen Seegebieten, wo der Englaender Lord Nelson den Franzosen in der Seeschlacht
um Trafalga eine herbe Niederlage beibrachte. Lord Nelson wurde dabei verletzt
und starb. Anschliessend kam die Flotte in einem Sturm und verlor ein Teil seiner
Schiffe.
Die vielen Horrorgeschichten die wir von der Meerenge Gibraltar inzwischen immer
wieder gehört, lassen uns es vorsichtig angehen. Einige Segler hatten Nebel,
sehr viel Wind wie es an allen Kaps vorkommen kann, manche kamen mit gebrochenen
Segellatten oder hatten ihre Schwierigkeit mit der Strömung und dem Wellengang.
Beim Auslaufen aus Rota stand uns erst eine kurze steile See in der Bucht von
Cadiz entgegen und der Wind blies mit 6 Bf. Nach dem wir nun Kurs aufgenommen
hatten kam der Wind achterlich. Nun segelten erst einmal voller Spannung Gibraltar
entgegen. Auf halber Strecke liess der Wind nach und wir mussten den Motor zur
Unterstützung mitlaufen lassen, denn wir wollten im Hellen ankommen. Jetzt war
unsere Sorge, ob der Diesel reicht.
Alle Bedenken waren umsonst, wir erreichten Gibraltar mit dem letzten
Tageslicht. Es wurde einklariert, aber nun gab es keinen Liegeplatz. So mussten
wir den Anker in einer Bucht fallen lassen, direkt an der Fluglandebahn. Brigitte,
die sonst nie bedenken unserer Unternehmen hat, zeigte das erstemal Nerven.
Völlig fertig von den vorherigen Informationen einer Reise durch die Strasse
von Gibraltar und dann noch ankern, das war einfach zuviel.
Erst naechsten Tag bekommen wir einen Liegeplatz zugewiesen und können nun
in Ruhe weiter Planen.
Bei unserem ersten Landgang wurden wir von den Preisen erschlagen. Zwei Tinto
- Verano und zwei Tunfischbrötchen werden wir 14 Euro los, das sind ca. 28,
- DM.Unsere Planung wird sofort geaendert, diese Preise wollten wir nicht bezahlen.
In Rota gab es dafür 3 Tinto de Verano, ein Bier, dazu 6 Langustinos und zwei
kleine Schweinesteaks. Der Umtauschkurs wird hier absichtlich in die Höhe getrieben.
So werden die Drinks und auch Essen an Bord genommen. Whisky und Diesel ist
hier noch günstig zu haben. Also wurde dieses reichlich gebunkert.
Almerima bekamen wir einen Liegeplatz zugewiesen in einem der Becken
am hintern Ende. Nun sind wir froh alles ohne Blessuren an Schiff und Mannschaft
überstanden und gemeistert zu haben.
Den naechsten Tag treffen wir einen alten Segelfreund vom Ijsselmeer wieder.
Gerd Sanders hat mit uns 1978 in Warns in Holland auch mit dem Segeln angefangen
und liegt nun mit seinem Boot uns gegenüber. Seit einem Jahr ist Gerd schon
hier und kann uns viele Ratschlaege über diesen Hafen und diese Gegend geben.
Die verbleibende Zeit nutzten wir um das Schiff für den Winter aufzuklaren
Wir kümmerten uns um den Rückflug und es wurden noch einige Besichtigungsfahrten
unternommen. Das Wetter erlaubte es uns nun schon mal auch in der Mittagszeit
etwas zu Unternehmen. Die Temperaturen sind schon ertraeglicher geworden. Mit
einem Auto besichtigen wir die Staedte Adra, Almerimar, Roqueta und Granada.
In der Alhambra verbringen wir einen Tag. Hier mussten wir erst einmal
eine Stunde anstehen um ein Ticket zu bekommen. Dann ist es schon ein Erlebnis
die guten Restaurierten Festungsanlagen der Mauren und Könige des Mittelalters
zu besichtigen. Eine Führung von 5 - 6 Stunden durch die Alhambra schlaucht
ganz schön.
Bei der Suche nach einem Hotel oder Pension werden wir in Granada nicht fündig,
so fahren wir wieder zu unserem Schiff. Schade, wir haetten ganz gerne noch
etwas mehr von dieser Stadt gesehen, aber die Strassenschilder sind kaum zu
sehen und einen Parkplatz war kaum zu bekommen. So sind wir Kreuz und Quer gefahren
ohne zu einem vernünftigen Hotel oder Pension zu gelangen. Im naechsten Jahr
werden wir noch einmal Granada und die Sierra Nevada besuchen..
Es endet ein schöner Segeltörn mit sehr vielen Erfahrungen eines Langzeittörns.
Robinson Crusoe haben wir nicht erlebt. Der Strand war viel zu heiss, man konnte
nicht Barfuss durch den Sand laufen. Schwimmen im Atlantik war nicht möglich,
dass Wasser war sehr, sehr kalt. Doch in unseren Erinnerungen zehren wir von
den vielen Eindrücken dieser Reise.
Die Yachthaefen waren alle gut ausgebaut und der Kommerz hat hier Einzug gehalten.
An den Stegen gibt es immer Strom und Wasser. Diesel gibt es in jedem Hafen
und auch sämtlichen Versorgungsmöglichkeiten sind vorhanden.
Unser Schiff bleibt nun erst einmal für ein halbes Jahr dort liegen und dann
werden wir weiter entscheiden wohin die Reise geht. Sind wir Fit, dann wollen
wir noch etwas im Mittelmeer verweilen. Mallorca, Ibiza, Korsika, Sardinien
bieten sich förmlich an.
Bis Almerimar waren die Haefen sehr gut und alle Etappen konnten dem Wetter
entsprechend gut angelaufen werden. So manche Sorgen die wir uns vorher gemacht
haben waren hinterher
Unbegründet....


